Der Sozialpsychiatrische Verbund
(SpV) im Landkreis Wesermarsch
Das Niedersächsisches Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NpsychKG) bildet die Grundlage zum Aufbau Sozialpsychiatrischer Verbünde in Niedersachsen, deren Ziel es ist, für eine gemeindenahe Psychiatrie zu sorgen.
Historie
Die unzureichende, gemeindeferne und vielfach verwahrende Versorgung chronisch psychisch kranker Menschen rückte in den 70er-Jahren in den Mittelpunkt. Die bestehenden Miseren in der Betreuung psychisch Kranker wurde als gesellschaftlicher Missstand wahrgenommen, so dass vom Bundestag die „Psychiatrie-Enquête“ in Auftrag gegeben wurde. Diese Expertengruppe trug entscheidend dazu bei, unterschiedliche Parteien, Fachleute sowie Universitätsangestellte zu sensibilisieren, an der Auseinandersetzung zu einer Psychiatriereform produktiv mitzuwirken. Das grundlegende Ziel bestand darin, von einer verbergenden und wegschließenden Versorgung zu einer therapeutischen und rehabilitativen Psychiatrie zu gelangen.
Im Jahre 1975 stellte die Expertenkommission ihre Grundprinzipien vor, die zu Erneuerungs- und Veränderungsprozessen in der Psychiatrielandschaft führen sollten.
- Das Prinzip der gemeindenahen Versorgung
- Das Prinzip der bedarfsgerechten und umfassenden Versorgung aller psychisch Kranken und Behinderten
- Das Prinzip der bedarfsgerechten Koordination aller Versorgungsdienste
- Das Prinzip der Gleichstellung psychisch Kranker mit körperlich Kranken.
Die Reformgedanken schlugen sich dann in einem Psychiatriegesetz nieder. Das Gesetz war ausschlaggebend für die Einrichtung von Sozialpsychiatrischen Diensten, so auch im Landkreis Wesermarsch, angesiedelt beim Fachdienst Gesundheit.
Die Psychiatrie-Enquête wurde fortgeschrieben und mündete durch die „Empfehlungen der Sachverständigen (1988) und unter besonderer Berücksichtigung der Neuen Bundesländer in novellierte Ländergesetze. Im Niedersächsischen Landtag wurde das NpsychKG am 16. Juni 1997 neu beschlossen.
Der Beschluss des Gesetzes sieht u. a. vor, effektive und gemeindenahe psychosoziale Hilfen für psychisch kranke, seelisch behinderte und suchtkranke Einwohner sicherzustellen unter der Prämisse „ambulant vor stationär“.
Weitere Voraussetzungen werden in nachfolgenden §§ fest geschrieben.
- § 6 Abs. 1-7 NpsychKG - Festlegung des Rahmens zur Betreuung, Begleitung und Behandlung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung
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§ 8 Abs. 1-3 - Bildung von Sozialpsychiatrischen Verbünden1 in Landkreisen und kreisfreien Städten zur Sicherstellung einer gemeindenahe Psychiatrie und der kontinuierlichen Zusammenarbeit von Anbietern
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§ 9 NPsychKG - Erstellung eines Sozialpsychiatrischen Planes
Bildung des Sozialpsychiatrischen Verbundes
Am 26. 11. 1997 wurde der Sozialpsychiatrische Verbund (SpV) im Landkreis Wesermarsch gegründet. Bei der Gründungsveranstaltung einigten sich die Gründungsmitglieder auf 4 Schwerpunkte, die thematisch in Fachgruppen bearbeitet werden sollten. Es wurden 4 Fachgruppen gebildet.
1. Fachgruppe Psychiatrie
2. Fachgruppe Gerontopsychiatrie 2
3. Fachgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie
4. Fachgruppe Sucht
Ziel der Fachgruppenarbeit ist die Aufdeckung von Lücken und Grenzen im Angebot und die Wahrnehmung der Bedürfnisse und Interessen des Klientels und ihrer Angehörigen. Die Fachdienste Soziales, Jugend und Gesundheit im Landkreis Wesermarsch haben eine beratende Funktion bei Sachfragen. Mit dem Mitglieder- und Anbieterkreis von Hilfen für psychisch kranke, seelisch behinderte und suchtkranke Menschen im Sinne des Gesetzes wird eine gemeindenahe psychiatrische Versorgung angestrebt. Die Fachgruppen im SpV setzen sich zusammen aus psychosozialen Einrichtungen und Einrichtungen der ambulanten und stationären Kranken-, Alten- und Familienpflege in der Wesermarsch – teilweise auch überörtlich, z.B.
1 Aufgrund der Empfehlung sind bisher 47 Verbünde in Niedersachen gebildet worden.
2 Gerontopsychiatrie: Dementielle Erkrankungen im höheren und mittleren Lebensalter mit unterschiedlichen Veränderungen des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit (Fachlexikon der sozialen Arbeit – Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge 1993)
Ein wichtiger Baustein der SpV-Arbeit berührt die Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenarbeit mit der Presse, um auch gegenüber der Bevölkerung ein angemessenes Verständnis zu erreichen im Umgang mit dem Personenkreis der psychisch kranken und/oder seelisch behinderten, sowie gerontopsychiatrisch kranken und suchtkranken Menschen.
Die Arbeitsergebnisse (Analysen, Erhebungen, Bedarfssituation) und Projektarbeiten der einzelnen Fachgruppen, werden den Mitgliedern des SpV und der Presse im Plenum vorgestellt. Bedeutungsvolle Projekte werden direkt durch die Presse begleitet.
Der Sozialpsychiatrische Plan (SpVPl.) dokumentiert die psychiatrische Versorgungssituation im Landkreis Wesermarsch. Er wurde im Benehmen mit dem SpV erstellt. Der Sozialpsychiatrische Plan beschreibt die Gründung und Organisationsstruktur des SpV im Landkreis Wesermarsch. Er schafft einen ersten Überblick über gemeindenahe Einrichtungen, die sich um psychisch kranke Menschen bemühen. Die Anbieter haben ihre Hilfen, aber auch Grenzen erläutert, die in einem Angebotskatalog zusammengefasst wurden.
Die letzte Fortschreibung des SPVPl wurde im September 2007 veröffentlicht und umfasst neben einem aktualisierten Mitgliederverzeichnis und Netzwerkkarten die folgenden Fachbeiträge:
- Fachgruppe Gerontopsychiatrie:
Studie mit FH Oldenburg-Ostfriesland zu “Alternative Wohnformen in der Wesermarsch -Bedarf und Notwendigkeit von verschiedenen Wohnformen im Alter für die Wesermarsch-"
- FG Sucht:
Pilotprojekt zum “Suchtmittel- Missbrauch bei Jugendlichen- Überlegungen zum Cannabis- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen"
- FG Psychiatrie:
Bestandsaufnahme “Zur Versorgungssituation von jungen Menschen mit einer Borderline-Störung im Landkreis Wesermarsch”
- FG KinderJugendPsychiatrie:
Bedarfsanalyse zu “Versorgungsstrukturen und Angebote für Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen im Landkreis Wesermarsch 2005-2006"
Downloads (im PDF-Format):
Die letzte Fortschreibung des Sozialpsychiatrischen Plans wurde im September 2007 veröffentlicht und umfasst neben einem aktualisierten Mitgliederverzeichnis und Netzwerkkarten auch interessante Fachbeiträge
=> Volltextversion: Neuer Sozialpsychiatrischer Plan
=> Volltextversion: Verzeichnis des Mitglieder- und
Anbieterkreises
Hinweise auf weitere psychosoziale Hilfen gibt es durch eine Reihe von Broschüren, die auch fachübergreifend und kooperierend im Fachbereich Soziales, Jugend und Gesundheit erstellt wurden.
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