Praxisheft zur gendersensiblen Erziehung – nicht nur für Fachleute

„TOBEN IM PRINZESSINENKLEID“

so lautet der Titel einer neuen Publikation der Gleichstellungsbeauftragten Ulla Bernhold. Ziel des Praxisheftes zur gendersensiblen Erziehung ist, einen Beitrag zur Weiterbildung und stärkeren Aufklärung im Bereich Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu leisten.


Zur Zielgruppe zählen primär Pädagoginnen und Pädagogen. Gleichzeitig kann jede Person, die im direkten Kontakt zu Kindern steht, von den Inhalten profitieren. …

Es werden Anregungen zu verschiedenen Angeboten für Mädchen und Jungen gegeben, Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und abschließend eine Reihe von Kinderbüchern aufgezeigt, die den allgegenwärtigen Stereotypen entgegenwirken sollen.

Die Veröffentlichung wurde den Fachkräften in Kindertagesstätten, Grundschulen und dem Fachbereich Pädagogik der Berufsbildenden Schulen zur Verfügung gestellt.

Interessierte Fachleute und Eltern finden die Broschüre bei den Städten und Gemeinden oder können Sie direkt bei dem Referat für Gleichstellungsfragen – Frauenbüro des Landkreises Wesermarsch unter Telefon 04401 927-288 oder gleichstellungsbeauftragte@lkbra.de anfordern. Darüber hinaus steht die Broschüre unten auf dieser Seite als Download zur Verfügung und kann bei Bedarf gern herunter geladen werden.

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ZUM  INHALT

Spätestens seit dem 10. Oktober 2017 ist das Thema Geschlecht/Gender (wieder mehr) in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt: Das Bundesverfassungsgericht hat den Gesetzgeber verpflichtet, bis Ende 2018 einen dritten Geschlechtsbegriff neben männlich und weiblich im Geburtenregister zu ermöglichen oder allgemein auf einen Geschlechtseintrag zu verzichten. So sollen Menschen, deren Geschlecht nicht eindeutig zuordnebar ist (Intersexualität) in ihrem Persönlichkeitsrecht und vor Diskriminierung geschützt werden. Das Deutsche Institut für Menschenrechte fordert daraufhin in einer Pressemitteilung: „Der Gesetzgeber sollte in Umsetzung der Entscheidung jedoch nicht nur eine isolierte Änderung im Personenstandsrecht vornehmen, sondern mit einem umfassenden Geschlechtervielfaltsgesetz den rechtlichen Schutz und die Anerkennung der Vielfalt von körperlichen Geschlechtsentwicklungen, Geschlechtsidentitäten und des Geschlechtsausdruck verbessern (…)“.

Die starke Orientierung an der binären Geschlechterordnung ist nicht mehr zeitgemäß; eine Aufweichung hingegen in vielen Fällen hilfreich für Individuum und Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit einem breiten Spektrum von Geschlechtsidentitäten kann und sollte bereits bei kleinen Kindern beginnen, denn…

  • Kinder orientieren sich beim Entwickeln der Geschlechtsidentität an ihrem Umfeld, d. h. neben der Familie spielen auch Medien und Kindertageseinrichtungen eine entscheidende Rolle. Je mehr verschiedene Arten von Männer- und Frauenbildern die Kinder kennenlernen, desto uneingeschränkter von Geschlechtsstereotypen werden sie sich entwickeln können.
  • Andererseits benötigen Kinder gerade in jungen Jahren klare Orientierungslinien, um sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden. Die Geschlechterrollen dabei gleichzeitig so offen wie möglich zu halten stellt eine große Herausforderung dar, der gut mit einer gendersensiblen Grundhaltung begegnet werden kann. Dies bedeutet zunächst, sich selbst bewusst zu machen, welche geschlechtsspezifischen Erwartungen man an sich selbst und andere hat und im Anschluss einen reflektierten Umgang damit zu finden.
  • In unserem Heft haben wir Reflexionsübungen für das pädagogische Fachpersonal zusammengestellt (S. 11) und setzen uns mit verschiedenen Bereichen des Kindertagesstättenalltages aus gendersensibler Sicht auseinander.
  • Beispielsweise wird beim Gespräch über Berufe, speziell in männerdominierten Bereichen, oft die männliche Form verwendet. Fragt man „Wer von euch möchte Polizist werden?“ schließt man damit die Mädchen genauso aus, wie man Jungen bei der Frage „Wer von euch möchte Polizistin werden?“ ausschließen würde. Der achtsame Umgang mit Sprache und Botschaften ist ein wichtiger Aspekt von Gendersensibilität.
  • Ebenso lohnt es sich bei der Gestaltung von Räumen und Angeboten eine gendersensible Sichtweise einzunehmen: Die Zusammenlegung der (geschlechtsstereotypen) Puppen- und Bauecke in eine gemeinsame Spielecke führt nachweislich dazu, dass sich die sozial-emotionalen Kompetenzen von Jungen steigern und Mädchen bessere Ergebnisse im räumlichen Denken erzielen (weil mehr gemeinsam gespielt wird).
  • Zudem setzen wir uns mit der Frage auseinander, in welcher Form sich der Männermangel in den weiblich dominierten Kindertagesstätten bemerkbar macht: In der pädagogischen Qualität gibt es keine Geschlechtsunterschiede. Allerdings bringen Männer oft mehr Vielfalt in die Angebote, indem sie vermehrt „männerspezifische“ Aktivitäten (wie z. B. Toben) durchführen. Allerdings ist es auch hier lohnenswert, gendersensibel zu agieren: Oft erhält der Mann einen Sonderstatus in den Kitas und wird mit verschiedenen „Männeraufgaben“ wie Toben, dem Reparieren von Dingen usw. betraut – obwohl er ggf. gar kein großes Interesse an diesen Bereichen hat.


Gendersensibilität bedeutet nicht, dass man sich verstellt und krampfhaft versucht, geschlechtsuntypische Verhaltensweisen und Interessen zu fördern, während geschlechtstypisches Verhalten abgewertet wird. Vielmehr soll eine Grundhaltung geschaffen werden, die es ermöglicht Stereotype und damit verbundene Erwartungen an Verhaltensweisen und Interessen bewusst wahrzunehmen. Allgemein als geschlechtsuntypisch gesehene Verhaltensweisen sollen so normalisiert und das Spektrum für die Kinder erweitert werden.


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