Mobilität

Mobilität in der Wesermarsch

Die Mobilität mit und ohne Auto spielt in der räumlich langgestreckten Wesermarsch mit ihrer Halbinsellage eine bedeutende Rolle. Die Mittelzentren Brake und Nordenham sind über Bus und Bahn an die umliegenden Oberzentren Oldenburg und Bremen recht gut angebunden – doch wie sieht es außerhalb der städtischen Strukturen aus?

Aufgrund der deutlichen Unterschiede berücksichtigt das integrierte Mobilitätskonzept für die Wesermarsch, das innerhalb des Modellvorhabens erstellt wird, drei Mobilitäts- und Versorgungsebenen:

  1. die von Bus und Bahn gut erschlossenen Siedlungen längs der Weser,
  2. die von Bussen der sogenannten zweiten Bedienebene angefahrenen Orte innerhalb der Wesermarsch,
  3. dünn besiedelte Ortslagen, die auch in Zukunft aus wirtschaftlichen Gründen nicht vom ÖPNV bedient werden können.

Im Laufe des Projektzeitraumes wurden und werden für jede Ebene spezielle Maßnahmen konzipiert und durchgeführt.


Bus & Bahn

Die Nutzung von Bus und Bahn ist die nachhaltigste der motorisierten Fortbewegungsarten. Sie vereint ökonomische, ökologische und soziale Aspekte miteinander. Dennoch gibt es diverse Gründe, warum die Wesermärschler und Wesermärschlerinnen mit ihrem eigenen Auto fahren müssen oder wollen.

Ein Aspekt, der zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs beiträgt, sind die Strukturen um Bahnhöfe und Haltestellen. Nur wer sein Auto oder Fahrrad (vor allem e-Bikes) dort gut und sicher abstellen kann, ist geneigt, öfter und lieber mit Bus und Bahn zu fahren. Zusammen mit ZVBN und IGES wurden hierzu mehrere Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Diese betreffen vor allem sogenannte „investive Maßnahmen“ (z.B. Fahrradabschließanlagen), die innerhalb des Modellvorhabens jedoch nicht finanziert werden können.

Wünsche, die die Teilnehmer der Fachwerkstätten „Bus & Rad“ zu weiteren Themen wie Vertaktung oder Linienführung geäußert haben, sind in den Eingaben für den Landesnahverkehrsplan berücksichtigt worden, die bis zum 31.8.2017 geäußert werden konnten.

 

Mobilitäts-Coach

Die Busverbindungen in der Wesermarsch sind deutlich besser als vielen Menschen bekannt ist. Wer lange nicht mehr mit dem Bus gefahren ist, findet in der Fülle der Angebote und Tarife jedoch nicht immer gleich die optimale Verbindung oder den günstigsten Fahrpreis für sich heraus. Und wie kommt man überhaupt mit einem Rollator oder Kinderwagen in den Bus? Um das Informationsdefizit aufzudecken und zu beheben, sollen sogenannte Mobilitäts-Coaches zum Einsatz kommen, die sich aktiv an Bürgerinnen und Bürger wenden. Eine aufsuchende, d.h. mobile Beratung, bei der Menschen an öffentlichen Orten angesprochen werden, ist service-orientierter und niederschwelliger als ein stationäres Beratungsbüro, zu dem sich die Menschen zunächst aktiv hinbegeben müssen.

Bei den Fachwerkstätten „Bus & Rad“ im August 2017 haben die Teilnehmenden bereits Wünsche für eine Mobilitäts-Beratung geäußert. Diese reichten von der einfachen Fahrplanauskunft bis hin zu einem Busfahrtraining, speziell für Menschen mit Gehbehinderungen oder kognitiven Beeinträchtigungen.

 

Kollektives Mitfahren

Wenn man aufs Auto angewiesen ist, dann muss es nicht immer die Fahrt allein im eigenen Pkw sein. Vielleicht gibt es in der Nachbarschaft oder auf dem Weg zur Arbeit Menschen, die zu einer ähnlichen Zeit an einen ähnlichen Ort wollen, wie man selbst? Kommerzielle Car-Sharing-Angebote haben im dünn besiedelten ländlichen Raum aufgrund der fehlenden „kritischen Masse“ kaum eine Chance – aber wie sieht es aus mit „Ride-Sharing“ (der modernen Bezeichnung für Fahrgemeinschaften, egal ob regelmäßig oder einmalig)? Die Bereitschaft ist meist da – doch oft mangelt es am Informationsfluss zwischen den Mitfahranbietern und -suchenden. Sind alternative Modellen wie Mitfahrbänke oder Dorfautos dann geeigneter? Oder Bürgerbusse oder Anrufsammeltaxis? All diese Themen wurden und werden innerhalb des Modellvorhabens in der Wesermarsch diskutiert. Die Crux bei funktionierenden Erfolgsmodellen „anderswo“ ist, dass sie nicht direkt auf andere Regionen übertragbar sind. Was für das eine Dorf die beste Lösung ist, kann im nächsten Dorf aufgrund anderer Raum- und Akteursstrukturen scheitern.